Sonntag, 26. Oktober 2008

Ich bin ja erst 44


Down-Aging ist gerade das große Schlüsselwort im Senioren-Marketing und nicht nur dort. Will heißen: 60-Jährige wollen wie 30-Jährige, 50-Jährige wie 20-Jährige, 40-Jährige wie 10-Jährige  angesprochen werden usw. usf. Nein, das ist nicht die Schuld der Werbung, es ist allein die unsere. Wir wollen und können nicht altern. Nicht Fett ansetzen, nicht zu unseren Falten und auch nicht zu unseren grauen Haaren stehen.

So erklärt sich auch der sensationelle Erfolg der "Sendung mit der Maus". Seit 1971 sind die"Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger" fast jeden Sonntag um 11:30 Uhr im Ersten zu sehen. Warum ist der Himmel blau, die Banane krumm, der Schweizer Käse durchlöchert? Solche wichtigen Fragen werden Woche für Woche zur Zufriedenheit aller Kinder beantwortet. 

... aller Kinder? Der durchschnittliche Zuschauer der "Sendung mit der Maus", so erfuhr ich heute, ist 46 Jahre alt. Das ist vermutlich genau die Zielgruppe, die Elke Heidenreich gefehlt hat, um mit ihrer Sendung "Lesen!" auf einen grünen (Quoten)-Zweig zu kommen.

Kommentare:

Christine hat gesagt…

Im Ernst? 46?
Sag, dass es nicht wahr ist. Aber es bestätigt manches...

Danke für diesen wunderbaren Text!

Petra hat gesagt…

Also... ich up-age mich immer (kann ich nur empfehlen) und bekomme dann herrliche Komplimente wie "Sie sehen aber noch jung aus!"

Dein Text bestätigt, warum neuerdings immer mehr Jugendbücher in einer "Erwachsenenausgabe" zusätzlich erscheinen.

Anonym hat gesagt…

Also jueb, das ist doch ganz einfach.

Mama (35) und Papa (37) sitzen mit Kind (5) vorm Fernseher und der Opa (71) und die Oma (70) gucken mit. Okay: Das ist erst ein Schnitt von 43,6. Aber so ungefähr könnte es sein :-) -Oder?

LG
Inge

jueb hat gesagt…

So ist wohl, liebe Inge!

Interessant ist allerdings die Frage, von wem die Initiative ausgeht, am Ende gar von der Oma (87), die den Enkel (5) fragt: Magst Du mit mir "Die Sendung mit der Maus" gucken?


Herzlichst
jueb

Anonym hat gesagt…

Eine spielverderberische Analyse erlaubt?

Inge hat völlig Recht, da sitzen ganze Clans vor dem Fernseher. Und zwar, weil die Sendung mit der Maus bei den Leuten auf dem Programmplan steht, die den Fernseher nicht als Babysitter missbrauchen, sondern verantwortungsbewusst mit ihren Sprösslingen gemeinsam schauen und vielleicht hinterher über das Gesehene bei einem Glas frisch gepresstem Orangensaft und einem Möhrchen diskutieren. Am Sonntag eben, wo alle Zeit für so was haben.

vermutet

die Ruth

jueb hat gesagt…

meine Mutter hatte sonntags nie Zeit, mit mir und meinem Bruder die Sendung mit der Maus zu gucken, sie musste kochen (hat sie gesagt), das war übrigens auch der Grund, warum sie nur uns sonntags in die Kirche geschickt - sie wurde nicht von Gott, sondern von ihrem Herd gerufen..

herzlichst
jueb

Irene G. hat gesagt…

Kicher. Auf dem Rahmen des Monitors, in dem ich dieses Blog betrachte, klebt eine Postkarte. Sie zeigt die Maus: Sie trägt Rollschuhe, und damit kommt das behäbige Tier einigermaßen voran. Ich bin zwar schlank, aber das schützt ja im Journalismus nicht davor, dass man sich recht schwerfällig fühlt, wenn es mal wieder zäh läuft.

Diese Maus stammt aus einer riesigen Postkartensammlung, aus der man bei einem Workshop diejenige Karte auswählen sollte, die einen spontan am meisten ansprach... und da fischte ich aus Hunderten von alten Meistern, Kitschbildern, Heiligenmotiven und Landschaftsaufnahmen diese Maus heraus. Ich nannte sie meine Auftragsrennmaus und klebte sie auf den Monitor.

(Als Wortbestätigung soll ich "yogiti" eingeben. Aber gerne. Ich wollte sowieso wieder mehr Yoga machen, um mehr Ausgeglichenheit zu entwickeln. Die Maus kann sich ja nicht um alles kümmern.)

jueb hat gesagt…

Wunderbar!
Viel Spaß mit der Auftragsrennmaus, liebe Irene G.,

wünscht jueb