Dienstag, 20. Mai 2008

Der Wassermolch


Kürzlich, es war schon dunkel und mein Flensburger Pils zur Hälfte getrunken, grübelte ich wieder einmal über meinen Ort in der Welt - und ganz allgemein auch - über die Stellung des Menschen im Universum. Dabei dachte ich an den Wassermolch.
Der Wassermolch ist eine Amphibie, die ein wenig wie ein putziger Salamander aussieht und in den Feuchtgebieten Nordamerikas zu Hause ist, sich aber auch im heimischen Aquarium ausgesprochen wohl fühlt. Schneidet man ihm aus Versehen oder gar Böswilligkeit ein Bein ab, so wächst es zügig nach. Spätestens nach drei Monaten hat der Organismus wieder seinen Originalzustand erreicht. Bis zu sechsmal lässt sich der Vorgang wiederholen, ohne dass das Tier deswegen dauerhaft zum dreifüßigen Invaliden wird.

Mir ist kein Körperteil bekannt, das dem Menschen nach Verlust wieder nachwachsen würde. Wo's beim Wassermolch die Natur erledigt, sind wir auf Prothesen angewiesen. Der Mensch kann also unmöglich die Krönung der Schöpfung sein. Diese Erkenntnis macht meine Stellung in der Welt natürlich nicht unbedingt besser.

Kommentare:

Petra hat gesagt…

Hast du Lust auf eine wahrhaft kosmische Depression? ;)
Dann sinniere über den Grottenolm! Das Viech hat gleich alle überflüssigen Gliedmaßen - nebst Farbe und großen Teilen der Augen - weggeschmissen und sieht fast ein Leben lang wie ein Kind aus. Dafür kann der tolle Hecht, äh Olm, Jahre ohne Nahrung überleben, lebenslänglich auf direkten Geschlechtsverkehr verzichten, und wird auch noch im Schnitt 70 Jahre alt!

Anonym hat gesagt…

Fühlt ihr euch tatsächlich wohler, wenn ihr die Krone der Schöpfung seid? Ich finde die Vorstellung, die Welt könne zur Not auch unter der Herrschaft von Molchen und Olmen ein - vermutlich sogar besseres - Dasein fristen, ausgesprochen beruhigend.

Lieben Gruß

Ruth

Anonym hat gesagt…

Nein. Mit dem Olm will ich nicht tauschen. Was nutzen siebzig Jahre, wenn man derart darben, sich alle Genüsse versagen muss ... da können siebzig Jahre lang werden.

LG
Inge

jueb hat gesagt…

.. so ist es. Der Grottenolm kommt mir doch ein wenig scheintot vor.

Herzlichst
jueb

Anonym hat gesagt…

Mir scheint, dieses Tier ist der Traum der Neoliberalen Ökonomen, no?

Grüße, mit allen Ärmchen (alten + neuen…)
:-) , Al

jueb hat gesagt…

Der Hinweis auf unsere neoliberalen Ökonomen ist grandios.

Auch im Menschenreich wächst Hoffnung nach: Mittlerweile gibt es Beinprothesen, die (zumindest) fürs Laufen so geeignet sind, dass der Amputierte damit schneller sein kann, als der "Gesunde". Was folgt daraus?

Herzlichst
jueb