Donnerstag, 10. Juli 2008

My brain is my castle


Kürzlich auf einem Fest lief ein Mädchen wie ein Wildfang einem Fußball hinterher. Nein, die Zehnjährige bolzte über den Rasen, dass die Jungs ins Schwitzen kamen und trotzdem das Nachsehen hatten. Sofort nahm ich Lisas Erzeuger näher unter die Lupe. Die Mutter, eine Chemikerin, die burschikos zu nennen, gewiss keine Beleidigung ist, der Vater ein Bibliothekar, den still und sanft zu bezeichnen, ebenfalls keine üble Nachrede darstellt. Das Mädchen wird lesbisch, dachte ich sofort. In ihr hockt das Hirn eines Mannes. Stand schließlich kürzlich schwarz auf weiß in der Zeitung: „Schwule Männer haben Frauengehirne“ oder - noch wissenschaftlicher - sie haben symmetrische Hirnstrukturen. Stimmt das, ist auch der Umkehrschluss für Lesben richtig.

Ich selbst halte es für durchaus wahrscheinlich, dass mein Gehirn starke Ähnlichkeiten mit dem einer Frau aufweist. Aber nicht unbedingt mit dem von Lisa. Dass jemand mit solcher, ich möchte sagen, animalischer Besessenheit über den Fußballrasen fegt, ist mir schon bei Männern unverständlich. Als Kind habe ich mit Puppen gespielt und statt mit Legosteinen Türmchen zu bauen lieber Pril-Blumen an den Kühlschrank geklebt. Zudem beneide ich Frauen von je her um die beneidenswert umfänglichen Schuhabteilungen. Oh, da sammeln sich viele Indizien für ein symmetrisches Gehirn!

Auch für den elfjährigen Jonathan, der bei seiner Mutter aufwächst, den Vater nie gesehen hat und ständig von einem Pulk an Tanten und weiteren Frauen umgeben ist, gibt es schon eine Prognose. Klarer Fall: in ihm wächst ein weibliches Hirn heran. Kurt, so was wie Jonathans Pflegevater, weiß es besser. Neulich war er mit dem Jungen Schlauchboot fahren und als sie hinterher auf der Wiese Picknick machten, fuhr ein hübsches Mädchen im Bikini vorbei. „Ich und Jonathan“, so erzählt Kurt nicht ohne Stolz, „haben beide parallel den Kopf verdreht.“ Beide Männer haben also asymmetrische Gehirne. Glückwunsch!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hm, wie sieht denn dann mein Brain aus? Seit 30-40 Jahren mit einem Mann verheiratet, mit Trix-Baukasten gespielt, aber nie einem Fußball hinterher gejagt.

Ist dann die vordere Hälfte symmetrisch und die hintere asymmetrisch oder umgekehrt?

Grüße von elondon

jueb hat gesagt…

Ja!

Ich würde sagen, hier liegen sehr komplexe Hirnstrukturen vor!

Herzlichen Glückwunsch!

jueb

Petra hat gesagt…

ojojoj, diese Hirnforscher... ;-)
Mein Vater war über sein kleines Mädchen entsetzt, das sich in einem Schaufenster ein Weihnachtsgeschenk wünschen durfte und nicht auf die blondgelockte Puppe zeigte, sondern auf ein quietscherotes Mercedes Coupé aus Weichplastik. Zum Glück habe ich nicht die Puppe bekommen. Ich war auch später in der Kinderbande immer Robin Hood und nie die langweilige Maryann... (dass ich nur ungern und selten Schuhe kaufe, muss ich wohl kaum erwähnen?)

Aber dann hat mein Hirn einen schlimmen Schaden erlitten: ich wurde Autorin. Seither muss ich alles sein können: Frau, Mann, kindlich, alt, verrückt, normal, Mörder oder Polizist, Betrüger oder Heldin...

Hilfe, Herr Hirndoktor!

Perplex-komplex grüßt Petra-Peter ;-) - die es mit dem alten Platon hält: der Mensch ist erst mal alles und verdrängt dann die Hälfte...

Anonym hat gesagt…

Hallo Petra-Peter,

schon beim Lesen war mir klar, dass es nur eine Petra gibt, die das schreiben kann. Schön, mal wieder von dir zu lesen. Habe deine Kommentare sehr vermisst bei Monti.

Viele Grüße,
elondon

P.S.: Wenn du mit meinem Namen nichts anfangen kannst, Jueb fragen. :-)