Freitag, 15. August 2008

Lisa


Die Toskana sei auch nicht mehr das, was sie einmal war. Tempi passati. Von den Deutschen, die sich hier vor 20, 30 Jahren niedergelassen haben, seien viele zurückgekehrt, die alten Netzwerke gäbe es kaum noch, die Italiener blieben unter sich, sagt mit Wehmut die Vermieterin unseres kleinen Ferienhauses, eine gebürtige Bayerin, die in Chianti Senese eine wunderbare Weberei aufgebaut und das Geburtstagsgeschenk für meine Mutter in Handarbeit hergestellt hat. 

Begeistert bin ich von den  Toskana-Vorurteilen, die zutreffen. Prima gegessen, Preise passabel. Hausweine, bei denen die Zungen schnalzen. Schinken, bei dem der Gaumen orgasmiert. Würden wir in München leben, wären es Schnäppchen. Dann die Siesta, die jeden in die Knie, nein die Horizontale zwingt, der Zypressen-Wahnsinn, die Laufstegtauglichheit der Signorinas ... Nur dass die Italiener stundenlang essen würden, ist zu korrigieren. Nach dem letzten Gang drängeln die Kellner mit dem Espresso. Mein Wunsch, zuerst noch einiges an Wein zu konsumieren, stößt auf Irritationen. 

Aber man fährt ja gar nicht in fremde Länder, um diese zu erkunden, man schüttelt ab, was geht: die eigene Wohnung, das Büro, die immer gleichen Arbeits-, Einkaufs- und Gassiwege, das Umfeld, das man liebt und doch manchmal so an einem klebt, dass man glaubt, man komme nie mehr vom Fleck. Dafür ist Urlaub wohl da. Dass der Klebstoff seine Macht verliert. Nach einer Woche in irgendeiner Ferne verschwinden quälende Gedanken und machen verwegenen Platz. Bei mir ist es diesmal der unbedingte Wunsch, eine Dogge an meiner Seite zu wissen. Eine Dogge wie Lisa eine ist. So schwer, so groß, so zahm, so schön.  Eine Stute von einer Hündin. Doch erst brauche ich das Anwesen dazu. 


Kommentare:

Christine hat gesagt…

Hallo Lisa. Du bist aber schön. Hallo Jürgen. Willkommen zurück.

Jan hat gesagt…

Laß das bloß nicht den Paule hören! Obwohl... vermutlich hätte der gegen eine Lisa gar nichts einzuwenden :)

Schön, daß man mal wieder was von dir liest.

Petra hat gesagt…

Mannomann hatte ich deinen Blog vermisst!
Aber pass auf mit dem Wunsch. Ich tat einst auch in der Toskana beim Anblick eines Schriftstellers unterm Olivenbaum ein Gelübde, irgendwann wolle ich so ein Anwesen auf so einem Hügel. Und so maloche und maloche ich immer noch, während meine Freunde kichern, was ich denn wolle, die Straße bei mir führe doch auch bergab...
Wer weiß, vielleicht lacht sich Paul demnächst zuhause eine Dogge an.
Herzlichst,
Petra

Anonym hat gesagt…

Schön von euch allen zu lesen!

... einen schönen Wochenanfang
wünscht
jueb