Dienstag, 29. April 2008

Nu mach' mal halb lang


Unaufhaltsam ist die Lebenserwartung gestiegen. Seit 1900 um fast 35 Jahre. Ich find’s prima. Im Jahr 2050 soll die durchschnittliche Lebenserwartung hierzulande schon bei 90 liegen. Der Zukunftsforscher Raymond Kurzweil behauptet sogar, dass die Wissenschaft in fünfundzwanzig Jahren dazu in der Lage sein wird, das menschliche Leben unbegrenzt zu verlängern. Doch wohin mit den vielen Zeitfenstern, die sich dann vor uns auftun?

Die Antwort ist einfach.

Wer 100 wird, muss nicht alles an einem Tag erledigen. Muss das Abitur nicht in acht Jahren absolvieren. Und schon gar nicht als 17-Jähriger dem Weltmarkt in die Arme rennen, um ihm rund um die Uhr und stets flexibel zur Verfügung zu stehen. Er muss nicht jeden unbezahlten Kaffee kochen und jeden Kopierer mit Papierstau bedienen. Er darf auch mal dubiose Praktika ausschlagen – hochnäsig ist das nicht.

Unter den Bedingungen chronischer Langlebigkeit besteht auch kein Grund, schon in der KITA zwei Fremdsprachen zusätzlich zu lernen, wo doch die Muttersprache kompliziert genug geworden ist, nach mehreren verkorksten Rechtschreibreformen. Man muss die eigenen Kinder auch nicht schon durch Zehnstundentage hetzen. Wer 100 wird, sollte seine beschränkten Lebenskräfte klug auf alle Altersphasen verteilen und es vermeiden, die besten Tages- und Lebenszeiten herzugeben zur Mehrung fremder Gewinne. Wer 100 wird, muss nicht ständig arbeiten, er muss nicht lebenslang lernen, er darf auch einmal innehalten, ein Sabbatjahr einlegen oder wenigstens ein Mittagspäuschen. Und das genehmige ich mir jetzt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo jueb,

ein Zukunftsforscher namens Kurzweil, der uns Unsterblichkeit prophezeit - das hat schon was!

LG
Inge

jueb hat gesagt…

Damit nicht genug - liebe Inge - Herr Kurzweil arbeitet auch an der eigenen Unsterblichkeit. Er nimmt 250 (!) Tabletten am Tag um den Alterungsprozess seines Körpers zu verlangsamen. Viele der Medikamente, die er unter strenger Aufsicht von Ärzten einnimmt, sind noch nicht zugelassen...

Herzlichst
jueb

Petra hat gesagt…

Und was machen die armen Würstchen wie ich, die bis fast 90 malochen müssen, um sich einen staatlichen Rentenanspruch (F) zu erarbeiten? Zehn Jahre in Altersarmut verbringen?

Grüßle,
Petra

jueb hat gesagt…

Liebe Petra, es gibt Hoffnung! Die gewinnen dann mit knapp 90 bei der Glücksspirale :-)

Christine hat gesagt…

Und wenn ich aber nur 50 werde? Und wenn ich das vorher ahne? Dann muss ich doch wieder in den Stechschritt verfallen und zwar den doppelt so schnellen, oder?
Es sei denn ich vertraue auf das zweite Leben, das nur die erhalten, die zu früh abgeklappt sind. Oder sage mir "Nunja - weniger ist manchmal mehr."

Petra hat gesagt…

Alles halb so schlimm, denn die Glücksspirale verlost in Zukunft Gift statt Geld. Damit die Gewinner lebenstechnisch nicht mehr ihren maroden Knochen hinterherhinken müssen...
Grüßle,
Petra

Christine hat gesagt…

Ist wahrscheinlich unpopulär. Aber ich hab mir oft gewünscht, unsterblich zu sein. Weil es so viele Dinge gibt, die ich gerne ausprobieren und bis zur Perfektion erarbeiten würde. Ein Leben reicht mir nicht.
Also bitte keine Giftspritze für mich...