Sonntag, 21. Februar 2010

PhantomLesung feiert Premiere


Autoren-Lesungen gibt es ja zuhauf, gerade in Berlin, doch diese hier ist etwas ganz Besonderes, eine gewissermaßen dreifach gesteigerte Annäherung an Literatur. Unter dem Motto
Ich sehe was, was du nicht hörst: Die PhantomLesung feiert Premiere werden am 27. Februar in der Begine zum ersten Mal zwei literarische Neuerscheinungen vorgestellt und zwar so, wie man es bislang noch nirgends erlebt hat.

Zunächst lesen die eingeladenen Autorinnen ungesehen hinter einem schwarzen Vorhang aus ihren neuesten Werken, dann wird die Geschichte von Schauspielerinnen pantomimisch fortgeführt und zu guter Letzt treten die lesenden Autorinnen leibhaftig in Erscheinung.

Ausgedacht und durchgeführt wird das ungewöhnliche Konzept von RandaleSistersInk unter der Federführung von Lisa-Marie Dickreiter und Maike Stein. Der einzige Wermutstropfen: da es sich bei dem Veranstaltungsort um ein traditionelles Frauencafé handelt, dürfen Junx und Männer diesmal noch nicht mit dabei sein, es sei denn, sie greifen überzeugend zu Langhaarperücke und anderen treffsicheren Geschlechtsumwandlungsrequisiten.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Mit dem Lasso hören


Eine neue Wahrnehmungsära hat begonnen. Seit vier Wochen fast vollkommener Stille höre ich auf dem linken Ohr
wieder.

Micky-Maus-Stimmen zunächst. Etwas gequetscht, heiser auch und manchmal wie von fern. Geräusche klingen so, als würde ein verkannter Begabter einen Geheimcode auf dem Xylophon rauf- und runter spielen. Auch Sätze klingen - wie Musik.

Ich blicke auf sprechende Lippen, doch das, was ich von dem Gesprochenen höre, höre ich nicht im Ohr, ja nicht einmal am Ohr, sondern wie außerhalb von mir und um gefühlte Millisekunden verzögert. Mir kommt es so vor, als müsste ich - um zu verstehen - das draußen Gehörte zurückholen zu mir. Gedanklich? Intuitiv? Mit dem Lasso?

Meine Augen sollen immer wieder ungewöhnlich weit aufgerissen sein. Gesichtszüge zeigen sich, die man angeblich an mir noch nicht wahrgenommen hat. Was ich da erlebe, ist vor allem eines: bizarr. Aber nicht nur. Ich höre Dinge, die ich schon länger nicht mehr gehört habe. Mal gucken, wie weit ich damit komme.


Samstag, 6. Februar 2010

Heiße Affären


Mit der Musik ist es wie in der Liebe. Es gibt Lebensabschnittspartner, die Liebe fürs Leben und natürlich die heißen Affären, im Volksmund Besenkammer-Stands genannt, bei denen man hinterher nicht dabei gewesen sein möchte. Betrachte ich meine bislang 45 Erdenjahre unter diesem Blickwinkel...

Also das hier war eine heiße Nummer, das auch, das hingegen eher die Parodie von einer. Aber bitte, das waren die 70er Jahre: viel Gymnastik und Textreduktion, das Leben ein heiteres Kostümfest und Auftritte, bei denen mangelhaft verhüllte Brüste noch Skandal machen konnten. Nein, die Verruchtheit dieser Jahre war irgendwie aufgefangen in einer geschmeidig-gefälligen Endlosschleife, die Discosound hieß. Der Hard Rock hatte abgewirtschaftet, die Liedermacher mit dem guten Herzen gingen auf die Nerven und nicht nur am mangelnden Sexappeal zugrunde.

Von Ecstasy und Komasaufen wusste unsereins noch nichts, die Ausschweifungen blieben buchstäblich an der Oberfläche, sie beschränkten sich auf die perfekte Choreografie unserer Leiber, und das war ja auch schon was: Gemeinsam rissen wir Beine und Arme und Hände hoch, schrieen im Kollektiv an der richtigen Stelle und fühlten uns wie John Travolta, bevor er dick wurde und den Scientologen beigetreten ist. Auch wir haben uns weiter entwickelt - aber doch nicht so!

Mittwoch, 3. Februar 2010

"brush up my english" (1) oder "delete"


Mein Englisch ist miserabel, andererseits aber auch nicht so schlecht, dass ich gar nichts verstünde. Turnusmäßig überfällt mich also der Wahn, ich müsste ein Buch in dieser Sprache lesen, natürlich ein besonderes, denn wenn schon, denn schon. Bewaffnet mit
Wörterbuch und Notizheftchen, in das ich buchhalterisch korrekt wegweisend wichtige Vokabeln hineinschreibe.

Und dieses Buch, noch nicht ins Deutsche übersetzt, ist eine echte Perle, und die Motivation es durchzuackern groß, denn das Thema müsste allen Internet-Junkies unter den Fingernägeln brennen. Seit Jahrtausenden, so Viktor Mayer-Schönberger, seien Menschen darauf programmiert, das meiste zu vergessen: Erlebtes wirke wichtiger, Vergangenes unwichtiger, und diese natürliche Selektion sei auch gut so. Nur wer vergessen kann und immer wieder auch frei ist von der Altlast des Vergangenen, sei in der Lage sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen, sprich: schnell und kompetent Entscheidungen zu treffen und zu handeln.

"Vergessen ist Standard, Erinnern die Ausnahme." So war das also bisher. Das Internet hat dies umgekehrt. Im digitalen (Netz)Leben heißt es jetzt: "Nichts geht verloren, es bleibt", eine Losung, die sich Hildegard Knef einst zusammenfantasierte.
Die Folgen sind noch nicht absehbar. Bleiben unsere Jugendsünden jetzt auf ewig abrufbar? Google weiß mehr über uns als wir selbst. Können wir das wollen?



"Delete. The Virtue auf Forgetting in the Digital Age" schließt mit einem schönen Paradox. Vielleicht nicht unbedingt beim Sprachen lernen - aber ansonsten gilt: Wir sollen wieder vergessen dürfen! Das Vergessen als Kulturleistung muss wieder in Erinnerung gerufen werden. Und Daten im Internet brauchen wie jedes gute Joghurt ein Verfallsdatum.

Freitag, 4. Dezember 2009

Genie und Wahnsinn


Insbesondere durch mein vorletztes Posting ist bei einigen Lesern der Eindruck entstanden, ich hätte Krebs oder eine ähnlich schlimme Krankheit, das ist aber GottSeiDank nicht der Fall, ich fühle mich soweit munter. Die Untersuchungen, von denen ich berichtete, bezogen sich auf meine Schwerhörigkeit, und die interessante, verlockende, aber eben auch aufregende Möglichkeit, mir eventuell ein
Cochlear Implantat einsetzen zu lassen.

Zur Wiedergutmachung jetzt etwas Lustiges und Lehrreiches dazu. Was macht Kreativität erträglich? Wie können wir uns vor den schrecklichen dunklen Löchern schützen, die uns verschlingen, wenn wir keine Ideen mehr haben? Die Autorin Elizabeth Gilbert spricht 18 Minuten lang über Genie und Wahnsinn (mit deutschen Untertiteln).


Heutzutage ist ja alles geklaut - auch dies. Eine Autorenkollegin (die auch sonst mit viel Inspiration gesegnet ist) hat mich auf dieses wunderbare Fundstück aufmerksam gemacht. Dankeschön, Bettina Stackelberg!

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Duell


Wer hochgradig schwerhörig ist (beinahe hätte ich hochkarätig getippt) fragt sich früher oder später, wann das eigentlich so anfing mit dem "schwer hören". Mich verblüffte vor knapp 15 Jahren ein schlauer HNO-Arzt mit der Feststellung, dass ich schon als Kleinkind schlecht gehört habe. Zweifelsfrei beweisen ließe sich das an meiner Aussprache einer einzigen, bestimmten Silbe - welche, weiß ich leider nicht mehr.

Ja, ich erinnere mich: In der Schule saß ich immer vorne, Ausdruck meines außergewöhnlichen Ehrgeizes und Eifers , hieß es. Im Gymnasium war ich in Englisch und Französisch vorbildlich, allein beim Diktat haperte es. Mit Abschreiben kompensierte ich, bis man mir das Blatt wegnehmen wollte. Die Französischlehrerin (über ihre Aussprache wurde in der Klasse übrigens ebenso gelästert wie über meine) duellierte sich mit mir. Wir standen uns gegenüber wie David dem Goliath. Sie zog am einen Ende meiner Schularbeit, ich am anderen, keiner wollte nachgeben. Schließlich ließ ich los, rannte aus dem Zimmer und schlug die Türe zu. Frau Schühlein (sie hieß wirklich so und liest vielleicht mit: Hallo, Frau Schühlein!) folgte mir auf den Gang (jetzt konnten alle anderen abschreiben) und befahl mir zurückzukommen (sie dachte wohl, ich würde aus dem Fenster springen, dabei waren wir im Parterre). Ich sträubte mich zwei, drei Minuten, bis aus ihrer Wut ein sanftes Betteln wurde, dann ging ich mit ihr zurück.

Übermäßig stolz bin ich auf solche Schulepisoden nicht - aber sie erklären einiges.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Metzgern?


Ich werde geduscht sein, frisch rasiert, die blonden Haare gesund nach oben geföhnt, und gut angezogen sowieso, besser als gewöhnlich, eben genau so, als würde mir ein besonders erfreuliches Ereignis bevorstehen. Dabei ist es nur eine Klinik, die ich betreten werde, um dort über Stunden von einer Untersuchung zur nächsten geschickt zu werden. Warum aber all das im Zustand wie aus dem Ei gepellt?

Ich glaube, ich will den Ärzten verklickern, Vorsicht, ihr Körperinspektoren, vergesst nicht, dass in diesem Fleisch ein veritables Subjekt haust, das erhobenen Hauptes in die Schlacht zieht und sich ungern und nur in Ausnahmefällen zum Objekt machen lässt. Vielleicht ist das aber auch nur ein Bestechungsversuch wie ihn alle Operationsbedürftigen nicht unterlassen können: Hey, guckt genau hin, hier liegt ein Missverständnis vor, bei mir gibt es nichts zu metzgern.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Die Farbe des Selbstmords


Kennt noch jemand Loriots Film "Ödipussi" von 1988?
Diplom-Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) und Paul Winkelmann, Geschäftsführer des Stoff- und Möbelgeschäftes „Winkelmann und Sohn“, (Loriot) führen darin folgenden Dialog - es geht um Wohnberatung:

- "Violett ist nicht ungefährlich."
- "Warum?"
- "Frauen bringen sich in violetten Sitzgruppen um... alleinstehende Frauen."

Ist das immer noch so? Die Antwort steht hier.


Montag, 14. September 2009

Ja, aber...


Mit Vertretern dieses Menschenschlags ist wenig anzufangen, höchstens ein Staat zu machen. Bei jedem Vorschlag und jeder Idee erheben sie wie aus der Pistole geschossen Zweifel, Einwände, schwerste Bedenken. Oft geraten diese Bedenken reichlich diffus und werden, wenn man nachfragt, immer diffuser und sind schließlich kaum mehr fassbar. Manchmal jedoch erheischen sogar diese Ideenbremser nachvollziehbare Einwände, an denen sie sich dann mit knirschendem Zahnwerk festbeißen. Aber auch das ist nicht schwer, wenn man bedenkt -wir reden jetzt vom Bioanbau -, dass jedes frische Gemüse, das wir in unseren Händen prüfend drehen und wenden, Stellen aufweist, die nicht so schön anzusehen oder vielleicht schon ein wenig braun sind - aber werfen wir das Gemüse deswegen in den Kompost?

Man könnte annehmen, Vertreter dieses Menschenschlags haben in ihrem Leben schon schwerste Schicksalsschläge aufgrund allzu großer Sorglosigkeiten erlitten und müssen sich deshalb vorsehen. Dem ist meistens nicht so. Vielmehr haben sie einen hartnäckigen Wunsch am Bestehenden festzuhalten offenbar schon von Geburt an. Auch ihre aktuelle Situation, so erfährt man schnell, hat ihre nicht eben geringen Bedenklichkeiten. Wie diese ewigen Zweifler dort überhaupt hingekommen sind - trotz ihrer massiven Bedenken allem und jedem gegenüber - ist ein großes Rätsel!

Auch diese Aber-Sager haben also ihr Päckchen zu tragen. Der Begriff Bedenkenträger weist darauf hin. Tatsächlich laufen viele von ihnen leicht gekrümmt und kleinen Fußes durchs Leben. Aufrecht und heiter und mit offenen Armen und leuchtenden Augen der Morgenröte entgegenzuschreiten ist etwas ganz anderes.


Samstag, 12. September 2009

Affenscheiße zum Frühstück


Charlotte redet im Interview mit der Süddeutschen Zeitung über die lieben Kollegen. Aber nicht die Charlotte aus den Feuchtgebieten geifert da, sondern die britische Schauspielerin
Charlotte Rampling. Das Ergebnis ist ähnlich erfrischend: "Emma Thompson habe ich immer bewundert, schon, weil sie es mit dem furchtbaren Kenneth Brannagh ausgehalten hat." Oder: "Robert de Niro verlangte, dass drei Kameras gleichzeitig auf ihn gerichtet sein müssten, damit nichts von seiner kostbaren Schauspielkunst verloren ging. Drei Kameras gleichzeitig - ich bitte Sie, was soll das?" Und zu guter Letzt: "Alain Delon macht nur noch Affenscheiße."

Danke, Charlotte!

Samstag, 5. September 2009

Wer Schulden hat, muss auch notwendig lügen (Herodot)


Nicht jede staatliche Vergünstigung annehmen, bloß weil sie einem gesetzlich zusteht. Predigte mein Vater. Denn (wie er sich ausdrückte) der Staat sind wir alle!

Dem möchte ich heute ausdrücklich widersprechen. Dieser Staat möchte ich nicht sein. Nie im Leben. Die Scham würde mich vierteilen. Deutschlands Staatsschulden wachsen jede Sekunde um 4.400 Euro. Atmet man da dreimal tief durch, hat man schon den Gegenwert einer hübschen Dreizimmer-Immobilie in Berlin in bester Lage beisammen. Kann das normal sein?

1980 - oh glückliche Tage! - stand unser Land mit nur 237 Milliarden in der Kreide, 1999 waren es bereits 1,2 Billionen - nun gut, denkt man wohlwollend, das waren halt die Folgen des Mauerfalls und der Wiedervereinigung. Aber was passierte dann? Zwischen 1999 und 2009 erhöhte sich die Staatsverschuldung nochmals um 35 Prozent (!), und auch dieser Anstieg hatte eben nur zum Teil mit den Folgen der Finanzkrise zu tun. Derzeit belaufen sich die Staatsschulden auf 1,65 Billionen Euro, für 2010 wird mit mindestens 1,75 Billionen gerechnet. (Quelle aller Zahlen: Bundesfinanzministerium, Bundesbank)

Natürlich wird dieses bedrückende Thema in diesem verlogenen Wahlkampf hartnäckig gemieden oder einfach skrupellos auf den Kopf gestellt, indem man uns hie und da sogar Steuererleichterungen und andere finanzielle Bonbons mehr verspricht. Doch nicht der Tod zahlt alle Schulden, sondern die armen Erben.


Mittwoch, 2. September 2009

Männer haben Spitzenhirne


Schlägt das Patriarchat zurück? Stehen wir vor einer Vatikanisierung der Gesellschaft? Seit vorgestern weiß ich die Antwort. Da las ich vom Kongress "Führungstreffen Wirtschaft", zu dem nicht der Heilige Stuhl, sondern die Süddeutsche Zeitung einlädt. Unter dem Motto
"Von Spitzenkräften lernen" kann man für 2.595,- Euro plus Mehrwertsteuer am 20. und 21. November im Hotel Adlon 27 Spitzenreferenten hören, die 27 Spitzenreferate halten.

Beackert und beoetkert werden Themen wie "Vorbild oder Buhmann: Manager in schwierigen Zeiten" oder auch "Familienunternehmen in der Krise. Wie sie überleben können?" Ach ja, unter den 27 Spitzenreferenten findet sich nur eine einzige Referentin - die Bundeskanzlerin, um die kommt man ja nicht herum, gleichwohl sie eine Frau ist, aber das merkt man bei ihr ja nicht.

Im letzten Jahr sah es auf dem "Führungstreffen Wirtschaft", das die Süddeutsche Zeitung alljährlich veranstaltet, noch etwas besser aus. Da durften Maria Furtwängler, Maybritt Illner, Dr. Nicola Leibinger-Kammüller und Dr. Hubertine Underberg-Ruder mittun. Was aber haben die Damen falsch gemacht, dass man jetzt eine Zugangssperre für Frauen verhängt hat? Waren sie vielleicht nicht blond genug? Oder zu blond? Und bin ich der einzige im Land, der sich über so was aufregt?

Mittwoch, 26. August 2009

Die hohe Schule der Journaille


Für Frauen, die im Fernsehen vor der Kamera stehen oder sitzen, sind Schönheit und Jugendlichkeit starke Verkaufsargumente und fast schon der Ausweis von Kompetenz. Das gilt sogar für Journalistinnen, die doch keine Busenwunder sein müssen, um ihre Aufgabe ordentlich zu erfüllen. Sabine Christiansen sieht heute mit 51 noch jünger aus als vor zehn Jahren, als sie 41 war. Wie kann das sein? Der Gentleman schweigt, nachzufragen verbietet der Anstand, selbst wenn Christiansen gerade wieder Interviews geben muss, um ihr kleines Bildschirmcomeback zu promoten. Gemeinsam mit Stefan Aust, der sie als SPIEGEL-Chefredaketur einst regelmäßig verrissen hat, moderiert sie nun "Ihre Wahl! Die Sat-1-Arena".

Wie sich das tabuisierte Thema trotzdem auf elegante und zugleich hinterfotzige Weise anschneiden lässt, zeigen Joachim Huber und Sonja Pohlmann, die Sabine Christiansen interviewt haben (für Ungeduldige: last question!). Das ist, wie eine liebe Freundin zurecht meint, "die hohe Schule der Journaille".

Donnerstag, 13. August 2009

Den Koffer getragen

Ja, bin ich denn noch zu retten? Letzte Nacht träumte ich von Sibylle Beckenbauer. Sie setzte sich in das Café, in dem ich mit meinem Bruder verweilte, direkt an unseren Tisch, kramte ein billiges Anzeigenblättchen hervor und las darin. Und ich dachte mir noch im Traum, hat die gewesene Kaiserin nicht ein bisschen höhere Lektüreansprüche?

So doof bin ich nicht, dass ich nicht wüsste, warum mein Hirn zur Nacht solche defekten Träume gebiert. Tags zuvor, in einem Zustand größtmöglicher Erschöpfung bei gleichzeitiger Niveauabsenkung landete ich bei Andrea’s Boulevard, scrollte mich rauf und runter und stellte fest, dass die geschiedene Beckenbauer und gewesene Sekretärin beim Deutschen Fußball-Bund hier gewissermaßen zum Grundinventar gehört: Mal Eagles Charity Club, mal Salon mit Dr. Ulrich Bauhofer im Arabella Sheraton Grand Hotel München (Who the hell ist Dr. Bauhofer?), mal Mercedes Benz Fashion Week, mal Omega Golf Cup 2009... Regelmäßig schreibt die Golferin auch noch für zwei Golfmagazine eine Golf-Ladies-Serie. Was man halt so tut als abgelegte Gattin einer "Lichtgestalt des deutschen Fußballs". Beckenbauer-Mutter Antonie kennt auch noch die vergangenen Verdienste ihrer Ex-Schwiegertochter: „Sie hat den Franz ausstaffiert, ihm die Koffer getragen, wenn es schnell gehen musste.“

Franz Beckenbauers Lebensweg pflastern bis heute zwei geschiedene Ehefrauen, eine Langzeitgeliebte und zwei Kurzzeitgeliebte plus (uneheliche) Kinder, alle muck(t)en nicht auf, sagen nur Nettes über den großzügigen Franz oder halten die Klappe. Kein Scheckbuch der Boulevardpresse bewegt sie dazu, über das Leben an der Seite des weltbesten Fußballspielers zu plaudern. In Sibylles Fall munkelte man gar von einer Scheidungsabfindung in zweistelliger Millionenhöhe. Ich meine, scheidungswillige Millionäre sollten sich ein Scheibchen vom guten Franz abschneiden.


Samstag, 8. August 2009

Rechtzeitig bestellen: Weihnachtsgeschenk 2009




Neue Nahrung für meine These von der Unsterblichkeit des Gespenstes Michael Jackson. Schon vor über 3000 Jahren hat The King of Pop gelebt. Eine ägyptische Statue, zu besichtigen im Chicago's Field Museum, ist der Beweis. Zwischen 1550 und 1050 vor Christus wurde Michael gemeißelt!


Donnerstag, 6. August 2009

Comeback


Schumi kommt zurück! Aber helfen Triumphe von damals aus der Krise von heute? Hier ist die Antwort.


Samstag, 25. Juli 2009

Legale Ausbeutung

Die Konservativen geben keine Ruhe. Das von der Justizministerin Brigitte Zypries geplante Ansinnen, Homosexuellen das volle Adoptionsrecht zu gewähren, wird von CDU/CSU abgelehnt. Es ziele bloß auf die Selbstverwirklichung von Schwulen und Lesben, mault Unions-Fraktionschef Volker Kauder, nicht aber auf das Wohl der Kinder. Als wenn das ein Widerspruch wäre, sich selbst zu verwirklichen, indem man eine Familie aufbaut! Im Übrigen: sollten sich Schwule und Lesben nicht ebenso selbstverwirklichen dürfen wie alle anderen Menschen auch?

Wenn behauptet wird, dass Kinder, die von schwulen oder lesbischen Paaren groß gezogen werden, Nachteile in der Entwicklung haben (was nach derzeitigen Erkenntnissen nicht der Fall ist), könnte man in letzter Konsequenz auch allein erziehenden Müttern die Erziehungskompetenz absprechen, ja ihnen am besten gleich die Brut wegnehmen – zum Wohle des Kindes. Dann müsste beispielsweise auch Horst Seehofers Gespielin (die Büroleiterin des CDU-Kollegen Laurenz Meyer), ihr Kindlein wieder hergeben. Doch wohin damit? Da der Apfel ja niemals zu weit vom Stamm fallen sollte, wie der Konservative weiß, wäre es gewiss im Sinne der CSU-Familienpolitik, den Bastard in die offizielle Sippe des bayerischen Ministerpräsidenten zu überführen. Die couragierte Karin Seehofer würde auch das noch verkraften, und mit der Patchworkfamilie, die sich da bildete, könnten die Seehofers auch noch das Zepter des gesellschaftlichen Fortschritts schwenken.

Aber im Ernst. Homosexuelle dürfen ja sogar heiraten! Was wollen die eigentlich noch alles haben? Antwort: Gleichberechtigung. Doch bis dahin ist es auch im Jahre 2009 noch ein weiter Weg. Die so genannte eingetragene Lebenspartnerschaft, die gleichgeschlechtliche Paare seit 2001 eingehen dürfen, bringt nämlich nur eines: finanzielle Nachteile. Mit jeder eingetragenen Lebenspartnerschaft spart der Staat Geld.


Mittwoch, 15. Juli 2009

Danke für die Titt'n

Sascha Lobo, inoffizieller Vorstand der digitalen Bohème und landesweites Vorbild unabhängigen Bloggens, wirbt neuerdings für ein Mobilfunkunternehmen. Gegenüber enttäuschten Fans und anderen Neidhammeln verteidigt er sein Engagement im aktuellen Vodafone-Spot – Zielgruppe „Generation Upload“ - mit dem Hinweis, dass er ohnehin schon immer für die Werbung gearbeitet hätte und zudem iPhones von anderen Anbietern besäße. Wo läge also das Problem?

Das Problem besteht darin, dass sobald genug Euroscheine winken, geistige Unabhängigkeit und Haltung in den Urlaub fahren. Aber auch der muss ja erstmal finanziert werden. Noch schlimmer ist es bei der BILD-Zeitung, da geht solcher Ethos schon ohne Bestechungsgeld flöten. Prominente wie Veronica Ferres, Katharina Witt oder Johannes Kerner werben derzeit auf Litfasssäulen für das Boulevardblatt mit der verlockenden Reichweite von 11,5 Millionen Lesern. Dass ihr Honorar einem guten Zweck zufloss, tröstet so wenig, wie die Insiderinformation, dass von gut 2000 angeschriebenen Prominenten nur eine Handvoll dazu bereit war, bei der Kampagne „Ihre Meinung zu Bild?“ mitzumachen.

Wie sie sich nun dabei spreizen, um ja nicht den Eindruck zu erwecken, sie würden sich Deutschlands Schmutzblatt Nummer Eins anbiedern, es aber letztendlich doch tun, ist grauenerregend verlogen. Kerner, noch TV-Onkel des Öffentlich-Rechtlichen (er wechselt 2010 zum Privatsender Sat 1, hat also nichts mehr zu verlieren) mahnt, er wünsche sich von BILD „etwas mehr Bildung und weniger Meinung“.

Ehrlicher ist da schon die Antwort des Rappers Sido (der allerdings seinen Ruf des Provokateurs gerecht werden muss): „Danke für die Titt’n“


Samstag, 27. Juni 2009

Unerlöst


Michael Jackson ist verblichen, lese ich im Internet.
Nein, er ist unsterblich wie alle Gespenster.


Mittwoch, 24. Juni 2009

Das ist schon unfair...

Manchmal tut es gut, daran erinnert zu werden, dass alles auch ganz anders sein könnte. Heute las ich in der Berliner Zeitung über die Mosuo, eine ethnische Gruppe im Südwesten Chinas, bei der – das ist auch das Thema des Artikels – das Matriarchat „herrscht“. Männer arbeiten nicht, sind weitgehend rechtlos und zuständig nur für die sexuelle Befriedigung der Frauen – auch das hat seinen Preis. Hat eine Frau genug von ihrem Liebhaber, hängt sie seinen Hut an einen Haken vor die Tür. Rien ne va plus. Auch müssen die Männer bei ihren Müttern leben.

In dem Artikel wird ein Mann zitiert: „Das ist schon unfair, dass die Frauen so viel arbeiten, aber so ist das nun mal bei uns. Wir helfen nur, wenn es gar nicht mehr geht.“ Und eine Frau: „Die Männer wissen nicht, was es heißt, eine Familie ernähren zu müssen. Und sie können auch nicht mit Geld umgehen.“

Jährlich strömen fast 100 000 Touristen nach Luoshui, wo die meisten Mosuo leben. Nach diesem Artikel – der argentinische Journalist Ricardo Coler hat auch ein Buch darüber geschrieben – dürften es noch mehr werden.